Bienen im Winter – wie unser Bienenvolk die kalte Jahreszeit übersteht
Winterbiene, Wintertraube, Futtervorrat: Was wirklich in einem Bienenstock passiert, wenn es kalt wird – und warum man Wintervölker jetzt in Ruhe lassen sollte.
Wenn im Oktober die Temperaturen fallen, verstummt das Summen um den Bienenstock. Für viele sieht es so aus, als würde das Bienenvolk einfach "abgeschaltet" bis zum Frühjahr. Das Gegenteil ist der Fall: Der Winter ist die anstrengendste Phase im Leben einer Honigbiene – und die Imkerei hat jetzt die wichtigste Aufgabe des ganzen Jahres bereits hinter sich.
Wir werfen einen Blick in den Bienenstock von Oktober bis Februar – und zeigen, was wir als Imker in dieser Zeit tun (und was bewusst nicht).
Die Winterbiene – geboren für ein langes Leben
Eine Sommerbiene lebt etwa vier bis sechs Wochen. Sie fliegt Tausende Kilometer, sammelt Nektar und Pollen und arbeitet sich buchstäblich zu Tode. Ganz anders die Winterbiene: Sie schlüpft ab Ende August, geht kaum noch auf Sammelflug und muss den Winter überleben. Dazu bildet ihr Körper Fetteiweiß-Polster und speichert Reservestoffe – Winterbienen werden deshalb sechs bis acht Monate alt, über hundertmal älter als ihre Sommergeschwister.
Damit dieses langlebige Personal überhaupt entsteht, muss das Volk im Spätsommer fit sein: Eine gute Varroabehandlung nach der Sommerernte ist der Schlüssel, denn mit der Milbe überwinterte Völker verlieren ihre Winterbienen vorzeitig – die häufigste Ursache für den Verlust von Bienenvölkern im deutschen Winter.
Die Wintertraube – ein Wunder der Koordination
Sobald die Temperaturen unter etwa 10 °C sinken, bilden die Bienen die Wintertraube: einen dichten Klumpen aus tausenden Tieren um die Königin. Das Prinzip ist genial: Die Bienen am Rand kühlen ab und wechseln ins warme Innere, während wärmere Bienen nach außen rücken. So entsteht ein ständiger Kreislauf, bei dem keine einzelne Biene erfriert.
Im Kern der Traube halten die Bienen konstant etwa 20 bis 25 °C – auch bei minus 15 °C draußen. Für diese Eigenheizung verbrauchen die Bienen ihren Honigvorrat. Als Faustregel gilt: Ein Volk benötigt in Mitteleuropa rund 15 bis 20 kg Wintervorrat. Was die Bienen über den Winter retten dürfen, wird beim Imker nicht abgeschleudert – nur der Überschuss wird Honig für uns Menschen.
Was der Imker im Winter tut – und was nicht
Die Winterarbeit der Imkerei ist vor allem eines: Zurückhaltung. Jedes Öffnen der Beute bei Kälte kostet die Bienen Wärmeenergie, die sie schwer ersetzen können. Deshalb gilt:
- Oktober/November: Flugloch von toten Bienen und Laub freihalten, Stand auf Wind- und Feuchteschutz prüfen, Nässe ist für Völker gefährlicher als Kälte.
- Kurzkontrolle von außen: Gewichtskontrolle durch Anheben (Kippprobe) oder einfache Waage unter der Beute zeigt, ob der Futtervorrat reicht.
- Dezember/Januar: Ruhe bewahren – kein Öffnen, kein Futterteig "auf Verdacht". Nur bei eindeutiger Not wird im milden Moment nachgeholfen.
- Februar: Der Imker beginnt mit der ersten Blindkontrolle; jetzt zeigen sich Erfolge oder Fehler der Herbstarbeiten.
Für uns als Imkerei ist der Winter zugleich die Zeit der Vorbereitung: Waben werden sortiert, Rähmchen gebaut, Beuten gereinigt – und der Blogger schreibt die Artikel, die im Frühjahr dann wieder vom Schwarm handeln. Was Sie tun sollten, wenn im Mai plötzlich ein Schwarm in Ihrem Garten hängt, lesen Sie hier: Bienenschwarm – was tun?
Übrigens: Bienen fliegen auch im Winter
Bienen halten keinen Winterschlaf. An milden Wintertagen ab etwa 10 °C nutzen sie die Gelegenheit für kurze Reinigungs- und Orientierungsflüge – sie lösen sich von Kot und prüfen die Umgebung. Wer im Rheinland an einem sonnigen Januartag summende Bienen am winterblühenden Winterling oder an der Christrose im Garten sieht, beobachtet genau das: kein Wunder, sondern gesunde Wintervölker.
Und die Königin? Sie bleibt in der Traube – bis die Tage wieder länger werden und sie ab Ende Januar damit beginnt, langsam wieder Eier zu legen. Mit dem ersten Pollen im neuen Jahr startet dann der Kreislauf von Neuem.
Frequently Asked Questions
Frieren Bienen im Winter nicht?
Nein – im Kern der Wintertraube halten die Bienen 20 bis 25 °C, indem sie Muskeln vibrieren und sich ständig von innen nach außen rotieren. Nur einzelne Randbienen können bei starkem Frost erstarren.
Wie viel Honig brauchen Bienen im Winter?
Etwa 15 bis 20 kg pro Volk in Mitteleuropa. Reicht der Vorrat nicht, füttern Imker im Spätsommer mit Zuckerlösung nach – nicht mitten im Tiefwinter.
Sollte man Bienen im Winter füttern?
Nur im Notfall und an milden Tagen. Jede Störung kostet Wärmeenergie. Die Futterfrage wird im August/September entschieden, nicht im Januar.
Wann darf man den Stock wieder öffnen?
Ab Temperaturen über etwa 12 bis 15 °C im späteren Vorfrühling – vorher nur Kontrollen von außen.
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